Zum Inhalt
Fakultät Raumplanung
© Päivi Kataikko ​/​ SBP - TU Dortmund
© Päivi Kataikko ​/​ SBP - TU Dortmund

Places2Be Hamina Zukunftsvisionen für die finnische Kleinstadt – aus der Perspektive der Jugendlichen

Zum 6. Mal lobte das Wissensnetzwerk Stadt und Handel e. V. ein hochschulübergreifendes Studienprojekt mit begleitendem Wettbewerb aus. Die Veranstaltung stand unter der Überschrift „Jugend und Innenstadt“. Die teilnehmenden Hochschulen – die BTU Cottbus, HFT Stuttgart, RPTU Kaiserslautern, TH Lübeck, TU Berlin, TU Braunschweig und TU Dortmund – waren dazu aufgerufen, sich analytisch und konzeptionell mit der jugendgerechten Innenstadtentwicklung auseinanderzusetzen. In TU Dortmund wurde das Thema als Masterentwurf angeboten, der Untersuchungsobjekt war die Kleinstadt Hamina an der Südostküste Finnlands mit rund 20.000 Einwohner*innen (Stand 2023). 

Hamina strebt die Auszeichnung als „Kinderfreundliche Kommune“ an. Der Prozess wurde im Jahr 2021 gestartet, die Anerkennung durch UNICEF wird im Laufe des Jahres 2025 erwartet.

Was wünschen sich die Jugendlichen in Hamina? Welche Zukunftsvisionen haben sie für ihre Stadt? Welche städtebaulichen Ziele lassen sich daraus ableiten, und wie können diese sowohl räumlich als auch programmatisch in den Entwurf einfließen?

Vor Ort in Hamina wurden mehrere Beteiligungsworkshops mit Schüler*innen von zwei weiterführenden Schulen sowie dem lokalen Jugendparlament durchgeführt (insgesamt ca. 70 Teilnehmerinnen). Zudem wurde im Vorfeld eine digitale Befragung mit knapp 200 Teilnehmerinnen durchgeführt.

Der Entwurf wurde als Hybridprojekt realisiert: Die Fernanalyse sowie die Konzeption und Vorbereitung der Workshops fanden in Deutschland statt, während die Workshops und das Entwerfen vor Ort in Hamina erfolgten. Im Anschluss wurden die Ergebnisse mit den interessierten Öffentlichkeit diskutiert.

Den 28. Oktober 2025 wurde die Arbeit mit dem Titel „Places2Be Hamina“ mit dem ERSTEN PREIS prämiert. 

Jurybegründung:

„Die Arbeit überzeugte die Jury durch ihre inhaltliche Qualität, ihre methodische Herangehensweise und ihre innovative Perspektive. Der Entwurf zeigt eindrücklich, wie jugendgerechte Stadtentwicklung gedacht werden kann, wenn die Perspektiven junger Menschen nicht nur berücksichtigt, sondern aktiv in den Planungsprozess eingebunden werden.

Hervorzuheben ist zunächst der Fokus auf die Kleinstadt. Während in der Stadt- und Regionalplanung oft Großstädte im Mittelpunkt stehen, richtet dieses Projekt den Blick auf Hamina, eine Kleinstadt mit knapp 20.000 Bewohner*innen an der Südostküste Finnlands. Damit greift die Arbeit die Realität vieler europäischer Städte auf und eröffnet wertvolle Übertragungsmöglichkeiten. Der Kleinstadtbezug macht das Projekt besonders relevant und zeigt, dass zukunftsweisende städtebauliche Ideen nicht nur im Kontext großer Metropolen entstehen dürfen.

Besonders vorbildlich ist zudem der partizipative Ansatz. Auf Basis einer umfangreichen Umfrage mit rund 160 Jugendlichen sowie mehrerer ganztägiger Workshops mit Schüler*innen ist ein ko-produktiver Prozess entstanden, der die Glaubwürdigkeit der Arbeit unterstreicht. Statt für junge Menschen zu planen, wurde mit ihnen gemeinsam gearbeitet. Dies führt zu einem Entwurf, der sowohl die tatsächlichen Bedürfnisse widerspiegelt als auch einen Prozess dokumentiert, der Modellcharakter für andere Vorhaben hat.

Schließlich beeindruckte die Jury die Sensibilität für zeitliche Dimensionen des urbanen Lebens. Hamina ist geprägt von langen, dunklen Wintern und kurzen, intensiven Sommern. Diesen Wechsel haben die Studierenden nicht nur erkannt, sondern gestalterisch aufgegriffen: Die Entwicklung einer Sommer- und einer Winterachse berücksichtigt die klimatischen Realitäten und schafft Räume, die sowohl im Freien als auch in geschützten Bereichen eine selbstbestimmte Nutzung durch Jugendliche ermöglichen. Damit wird ein Thema aufgegriffen, das weit über den konkreten Ort hinaus Relevanz hat. Gerade in Bezug auf jugendgerechte Räume ist dieser Ansatz originell und richtungsweisend.“

Text: Päivi Kataikko

Preisträgerinnen: 

Saskia Zdunek, Rafaela Weiß, Florian Treude, Leon Reckers, Luisa Langer, Christopher Köhn, Hannah Jursitzka, Sophia Hartmann und Lasse Buschmaas

Pressestimmen